Wo ich zuhause bin

Wenn man von Burgenland hört, denkt man sofort an Tiefebene und Neusiedlersee. Doch das Burgenland hat noch schönere Seiten, nämlich das Südburgenland. Ich bin sozusagen eine „Alpinburgenländerin“, denn ich habe das Glück, am Fuß des Günser Gebirges mit dem höchsten Berg des Burgenlandes, dem Geschriebenstein mit 884 m, zu leben. Das Günser Gebirge ist der letzte Ausläufer der Zentralalpen und somit ist das mit „Alpin“ kein Scherz! Das Günser Gebirge endet hier mit einem Übergang in die Pannonische Tiefebene in Ungarn. Man könnte den Bezug zu den Alpen auch so erklären, dass die kristallinen Schiefer hier eine Ähnlichkeit mit dem Gestein des Tauernfensters und des Engadiner Fensters aufweisen. Ich denke aber, normale Besucher unserer Gegend interessiert vielleicht nicht so sehr die Geologie, sondern dass auf diesen Böden ein wunderbarer Welschriesling wächst und dass man diesen in den vielen Heurigen im Rechnitzer „Weingebirge“ genießen kann.

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Roter Finderhut (Digitalis purpurea)

Unser Günser Gebirge ist bestens geeignet für Wanderungen, bei denen man die Spuren der Kelten, die hier siedelten, noch spüren und sehen kann. Die Römer hinterließen eine noch sichtbare Wasserleitung und bei den Ziegeläckern, wie ein Landschaftsstrich heißt, hat auf den dortigen Gutshöfen die Mutter von unserm burgenländischen Landespatron Martin gelebt.Von Felsformaturen mit Namen wie Wolfstanz und vom Felsen am Geschriebenstein, der früher „Hadenstein“ (Heidenstein) genannt wurde, kamen, wie erzählt wird, gefährliche Gewitter und Hagelschläge ins Tal und an stürmischen Winternächten brauste das „ Wilde Heer“ als Schneesturm durch die Lüfte und tobte um die Häuser. Gleich über der Grenze ist eine besonders interessante Felsformation, der Kalaposkö (ung. kalapos, Hut und kö, Berg, Stein), von dem es eine reizende Geschichte gibt: Auf diesem Hutstein saß vor langer Zeit jeden Tag ein Riesenmädchen und auf der Hollerwiese unterhalb waren die Riesenburschen unterwegs, um zu jagen oder Pilze zu sammeln. Da das Riesenmädchen so ein gutes Herz hatte, ließ sie jeden Tag einen von den Riesenburschen zu ihr rauf kommen und sie liebten sich. Aber irgendwann entstand unter den jungen Riesen ein großer Streit, jeder wollte jeden Tag zum Riesenfräulein und sie begannen zu raufen und unterhalb vom Hutstein sieht man heute noch ihre Backenzähne liegen.

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Diptam (Dictamnus albus)

Es gäbe noch viele Geschichten zu erzählen, zum Beispiel von den Hügelgräbern in Schandorf, die aus der Hallstattzeit stammen, aber mein Hauptinteresse gilt natürlich den Pflanzen. Das Besondere im Günser Gebirge ist, dass hier alpine Florenelemente (!) mit Pflanzen, die das illyrische Florengebiet, das übrigens von hier bis zum Schwarzen Meer reicht, anzeigen. So wächst hier Weißer Germer (Veratrum nigrum), der normalerweise auf Almen in Mittelgebirgslagen wächst, gleich neben dem Schwarzen Germer (Veratrum nigrum), der typisch für unsere pannonische Flora ist. Eine weitere Besonderheit ist unsere Serpentin- Flora, die hier endemisch ist, die es also nur bei uns gibt. Leider sind die Besonderheiten dieser speziellen Flora wie der Serpentin-Streifenfarn (Asplenium cuneifolium), die Serpentin- Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum subsp. capillifrons) oder das Serpentin- Fingerkraut ( Potentilla crantzii subsp. serpentinum) durch rasanten Abbau von Steinbrüchen und Intensivierung der Landwirtschaft stark gefährdet. In den Hochlagen des Geschriebensteins wächst Wolfs- Eisenhut (Aconitum vulparia), Roter Holunder (Sambucus racemosa), typische Pflanze der Almen und Mittelgebirge und der gelb blühende Große Fingerhut (Digitalis grandiflora)wächst neben dem Purpur- Fingerhut (Digitalis purpurea), der allerdings sein Vorkommen einem „braven“ Förster verdankt, der damit die Lichtungen im Wald bepflanzen wollte. Zu den schönsten Pflanzenbeständen zählen die blütenreichen Waldsäume am Rande der wärmeliebenden Eichenwälder. Charakteristische Pflanzenarten sind der Blutrote Storchschnabel (Geranium sanguineum), die Bunte Schwertlilie (Iris variegata) oder der Diptam (Dictamnus albus). Die Felsformationen sind Lebensraum des Karpaten-Spierstrauchs (Spiraea media), der gemeinsam mit dem Österreichischen Bergfenchel (Seseli austriacum) und dem Berglauch (Allium montanum) dort vorkommt. An die Trockenheit der Standorte sind auch dickblättrige Arten wie die Große Fetthenne (Hylotelephium maximum) oder der Milde Mauerpfeffer (Sedum sexangulare) angepasst.

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Bunt- Schwertlilie (Iris variegata)

Wenn Sie in unsere Gegend kommen, sollten Sie sich nicht über Ortstafeln wie Poljanci oder Podgorje wundern, unsere Gegend wurde ab dem 16. Jahrhundert mit Kroaten, den Vlahi, besiedelt und ich bin in Bandol (Weiden bei Rechnitz) zuhause, wo meine Vorfahren Viehzucht betrieben und die Schafe auf den Wiesen oberhalb von Weiden (kommt übrigens nicht von Salix, die Weide, sondern von den Weiden, auf denen die Schafe waren) hielten, weshalb die Siedlung dort Podgorje (Unter dem Berg) bezeichnet wurde. Später wurden sie Schweinehändler, wofür sie sogar geadelt und zu den Edlen von Tallian wurden.

Wenn Sie mich zu einem Privatissimum besuchen kommen, können wir das natürlich auch mit botanischen Wanderungen in unserer Gegend verbinden.