Naturheilmittel gegen Heuschnupfen

Frühjahr – das ist die Zeit, wo man die sprießende Natur genießen möchte. Doch für Menschen, die unter Heuschnupfen leiden, wird die Natur plötzlich zum Feind. Immer mehr Menschen leiden an Heuschnupfen und für sie kann ein Frühjahrsspaziergang unangenehm enden – die Augen brennen, die Nase rinnt und auch Atembeschwerden können auftreten. Die Medizin kann diese Symptome wirkungsvoll behandeln. Pflanzliche Heilmittel eignen sich gut zur Selbstanwendung und sie können nicht nur helfen, die Symptome zu lindern, sondern sich insgesamt positiv auf das überreagierende Immunsystem auswirken.

 

Unser Immunsystem

Schauplatz der Allergien ist das Immunsystem. Das Wort immun kommt von lateinisch immunis, frei sein von Lasten, Strafen oder Bürden. Etwas weiter gefasst sind die Attribute „privilegiert, rein, unversehrt“, man denke an die „Immunität parlamentarischer Abgeordneter“. Das Immunsystem hat die Aufgabe, den Körper vor Infektionen durch Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten zu schützen. Das Immunsystem besteht aus zwei funktionellen Einheiten: der angeborenen, eher unspezifischen Abwehr und der erworbenen spezifischen Abwehr.

Die unspezifische Immunantwort stützt sich auf Fresszellen (Makrophagen, etc.), die Eindringlinge einschließen und abbauen. Das spezifische Abwehrsystem ist von T- Lymphozyten schon vorgewarnt und weiß, welche Feinde kommen. Die B- Lymphozyten erzeugen die Antikörper, auch Immunglobuline genannt, mit denen die Antigene der Feinde maßgeschneidert bekämpft werden können.

Ist das Antigen ein Bakterium, wird unter dem Einfluss bestimmter Teile des Immunsystems die Membran der Bakterienzelle geschädigt, das Bakterium platzt. Ist das Antigen allerdings ein Allergen oder Toxin, können nach der Sensibilisierung Immunkomplexe entstehen, die für bestimmte allergisch- entzündliche Erkrankungen verantwortlich sind.

 

Körpereigene Entzündungsstoffe

In den Körperflüssigkeiten oder Körpergeweben sind Botenstoffe vorhanden, die schnell zur Verfügung stehen, die Prostaglandine und Zytokine, die hormonartig in Entzündungsprozesse eingreifen können. Letztere können sowohl zur unspezifischen Immunität beitragen (z.B. Interferon- Alpha mit allgemein antiviralen Eigenschaften oder Interleukin-1 zur Fieberstimulation), als auch zur spezifischen Immunität (z.B. Interleukin-2 als T-Zell-Wachstumsfaktor). Histamin ist ein Gewebshormon, das als „Entzündungsstoff“ für die Beschwerden der klassischen Allergien wie Heuschnupfen, Asthma, etc. verantwortlich ist.

 

Was sind Allergien?

Der Begriff Allergie geht auf den Wiener Kinderarzt Pirquet zurück, der ihn 1906 in Analogie zu Energie (en- ergeia, körpereigene Kraft) als Reaktion auf körperfremde Stoffe all- ergeia, (allos, griech. anders, ergon, griech. wirken) also Allergie nannte.

Die Allergie ist eine Fehlfunktion in Form einer Überaktivität des Immunsystems. Es gibt verschieden Typen von Allergien, je nach der Reaktion des Immunsystems. An der allergischen Reaktion des „Sofort- Typs“ (Typ 1) ist vor allem das Immunglobulin IgE beteiligt. Diese Antikörper besetzen bestimmte Zellen im Blut und den Schleimhäuten. Durch einen überhöhten Spiegel an IgE werden die histaminproduzierenden Mastzellen so stark angeregt, dass sie in einer überschießenden Reaktion ihren gesamten Vorrat an Histaminen freisetzen. Die Folgen kennen Heuschnupfenpatienten – rinnende Nase, tränende Augen und juckende Schleimhäute. Die starke Schleimhautdurchblutung durch die Histamine führt zu deren Schwellung.

Andere wildgewordene Mediatoren, vor allem Leukotriene, veranlassen die glatte Muskulatur in der Lunge zum Zusammenziehen, wodurch sich die Bronchien kontrahieren- ein allergischer Asthmaanfall beginnt.

 

Wann zum Arzt?

Grundsätzlich sollte man beim ersten Verdacht, dass die rinnende Nase im Frühjahr kein „gewöhnlicher“ Schnupfen ist, den Arzt konsultieren. Er kann Untersuchungen veranlassen, auf welche Allergene die Symptome zurückzuführen sind. Ein nicht behandelter Heuschnupfen kann sich zu einem Asthma entwickeln, bei 40% der Heuschnupfenpatienten wurde eine bronchiale Überaktivität als Vorstufe des Asthmas gefunden. Neben symptomatischen Medikamenten wie Antihistaminika oder cortisonhaltigen Nasensprays gibt es die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), bei der Allergene injiziert werden, um den Körper langsam an allergieauslösende Stoffe zu gewöhnen. Derzeit wird übrigens intensiv an der Entwicklung eines Impfstoffes gearbeitet, bei dem eine einzige Spritze eine Desensibilisierung gegen Birkenpollen erreicht werden könnte.

 

„Böse“ Pollen

Heuschnupfen (Pollinasis) ist eine allergische Reaktion auf die männlichen Samenzellen verschiedener Pflanzen. So reagieren die Frühblütler- Allergiker schon ab Februar auf Hasel, im März auf Erle und ab April auf Birke. Sehr viele Menschen reagieren ab Mai allergisch auf Gräser oder Getreide wie Roggen und Mais. Die Heuschnupfen Saison endet dann ab August mit Beifuss und dem besonders aggressiv allergenen Ragweed (Traubenkraut).

 

Achtung – Kreuzreaktionen

Die wichtigsten Pollenallergene können in sechs Gruppen zusammengefasst werden, innerhalb derer Kreuzreaktionen zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern möglich sind. Birkenpollen bringen Kreuzreaktionen zum Beispiel nicht nur mit Erle, Hasel, Hainbuche, etc., sondern auch mit Lebensmitteln wie Äpfel, Pfirsiche, Kirschen, Nüssen, Karotten und Tomaten. Menschen, die unter Heuschnupfen leiden, sollten sich daher genau informieren. Informationen liegen üblicherweise bei Ärzten auf oder sind beim Pollenwarndienst (www.pollenwarndienst. at) nachzulesen.

 

Was kann man selber tun?

Abgesehen von Ratschlägen wie durch Verreisen den aktuellen Pollen auszuweichen (wer kann sich das schon leisten?), Fenster beim Autofahren zumachen, täglich Haare waschen und noch etliche andere, ist durchaus anzuraten, auch auf die Kraft einiger speziell aufbereiteter pflanzlicher Heilmittel zu vertrauen. Sie eignen sich durchaus zur Selbstanwendung und lassen sich auch mit medizinischen Maßnahmen kombinieren.

 

Omega-3- Fettsäuren in Heilpflanzen

Manche typischen Entzündungszeichen von Allergien lassen sich abmildern, wenn die „Rohstoffe“ bestimmter Entzündungsmediatoren reduziert oder verdrängt werden. Einer dieser Rohstoffe ist die Arachidonsäure, eine Omega-6- Fettsäure, die Ausgangssubstanz für Prostaglandine, Leukotriene, etc. Einige dieser Gewebstoffe halten die Entzündungsreaktionen aufrecht. Wichtig ist die Zufuhr von Omega-3- Fettsäure vor allem bei Autoimmunerkrankungen wie Polyarthritis, unterstützend können sie aber auch bei Allergien wie Heuschnupfen wirken.

Fisch ist besonders reich an Omega-3- Fettsäuren, also in der Pollensaison weniger Fleisch und mehr Fisch essen. Aber auch in Leinöl, Walnussöl, Rapsöl und Sanddornkernöl sind relevante Mengen an Omega-3- Fettsäuren enthalten. Besonders empfohlen werden kann eine Pflanze, die über die japanische Küche und die Popularität von Sushis zu uns gekommen ist.

 

Schwarznessel, japanisch Shiso (Perilla frutescens) gibt es noch nicht als fertiges Präparat, aber bei Gärtnern als dekorative Pflanze zu kaufen. Das aromatische Shiso passt aber nicht nur zu Sushis, sondern auch in alle Wok- Gerichte. Auch wenn die Omega-3- Fettsäure vor allem in den Samen von Shiso zu finden ist, kann der Genuss des Krautes allen Allergikern empfohlen werden.

 

Schwarzkümmelsamenöl zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Linolsäure aus, die ein Hauptvertreter der Omega-6- Fettsäuren ist. Diese sind die Gegenspieler der Omega-3- Fettsäuren. Im Organismus entsteht aus ihnen auch die Dihomo- Gamma- Linolensäure, die wieder zur Bildung von Prostaglandin E1 führt, das eine entzündungshemmende Wirkung und eine stabilisierende Wirkung auf die Bildung von allergischen Mediatoren hat. Vor allem enthält das Schwarzkümmelöl ein ätherisches Öl, das eine bronchienerweiternde und sekretionsfördernde Wirkung hat. Pollenallergikern kann daher empfohlen werden, in ihrer jeweiligen „Saison“ regelmäßig 1 bis 2 Kapseln mit Schwarzkümmelsamenöl zu schlucken.

 

Pestwurz gegen Allergien

Neue Studien haben gezeigt, dass die Pestwurz, die jetzt an Bachrändern zu blühen beginnt, nicht nur eine starke krampflösende Wirkung hat, weshalb sie auch bei Migräne eingesetzt werden kann, sondern auch eine antiallergische Wirkung in Form einer Hemmung von Histaminrezeptoren. Klinische Untersuchungen zeigten eine positive Wirkung des Wurzelextraktes bei Bronchialasthma von Kindern.

Bei einer Dopelblindstudie mit einem Antihistaminikum zeigte sich, dass der Pestwurzblattextrakt die Leitsymptome wie Niesen, Brennen der Augen, rinnende Nasen ähnlich günstig beeinflussen konnte wie das Antihistaminikum, aber ohne dessen Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit.

Einziges Problem: Fertige Präparate mit Pestwurz sind in Österreich nicht registriert. Doch jeder Apotheker kann sie aus Deutschland ordern, was einen Mehraufwand für den Apotheker bedeutet.

Achtung: Vor der Anwendung als Tee der Pestwurz, die überall zu finden ist, muss gewarnt werden, da sie leberschädigende pyrrolizidine Alkaloide enthält. Die fertigen Präparate sind dagegen pyrrolizidinfrei.

 

Küchengemüse mit antiallergischem Potenzial

Die Küchenzwiebel enthält Schwefelverbindungen, die Thiosulfinate, die eine Histaminfreisetzung durch die IgE- Globuline hemmen können. Auch das Quercetin, ein in der Küchenzwiebel vorkommendes Flavonoid, zeigte in Untersuchungen eine Hemmung der Histaminfreisetzung. Berichte über anti- asthmatische Effekte der Zwiebel lassen auch für die Indikation Heuschnupfen positive Effekte erwarten. An Fertigpräparaten mangelt es noch, also kann nur empfohlen werden, täglich 100g frische Zwiebeln zu essen oder 3 mal täglich 1 EL Zwiebelfrischpresssaft einzunehmen.      

 

Birkenknospen gegen Birkenallergie?

Die Gemmotherapie, die bei uns leider noch viel zu wenig bekannt ist, nutzt als Heilmittel die Knospen oder Sprossen von Pflanzen. Die Wirkung geht darauf zurück, dass die Knospen ein besonders enormes Teilungs- und Wachstumspotential haben. Ihre Zellverbände enthalten das gesamte genetische Programm der Pflanze. Dieses Programm führt im Verlauf des Wachstums zu einer zehnfachen Masse an Pflanzengewebe, dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Vielzahl an Teilungen Fehler unterlaufen, recht hoch. Die Knospen sind daher reich an bestimmten Phytohormonen wie den Auxinen oder Giberellinen, die verhindern, dass es bei den Pflanzen zu Fehlentwicklungen kommt. Gemmomazerate helfen auch beim Menschen vor allem dort, wo Reparatur- und Regenerationsmechanismen im Körper angeregt werden sollten.

 

Johannisbeerknospen (Schwarze Ribisel, Ribes nigrum): Ist so bewährt gegen Allergien, dass das Mazerat manchmal als „Pflanzliches Kortison“ bezeichnet wird. Es wirkt abschwellend und entzündungshemmend vor allem auch bei Heuschnupfen und sollte daher als Basismittel in der „Saison“ täglich eingenommen werden (3 mal 10 Tropfen).

 

Birkenknospen: Sollten mit den Johannisbeerknospen kombiniert werden. Sie helfen vor allem bei Problemen in Nasen- und Rachenraum von Kindern. Bei Allergien helfen die Birkenknospen ein aus der Norm geratenes Immunprogramm in Balance zu bringen und haben eine antihistaminische Wirkung. In den Knospen sind noch keine Pollen, also keine Angst. Man nimmt Birkenknospenmazerat abwechselnd mit Johannisbeerknospen, also morgens 10 Tropfen Johannisbeer, dann mittags 10 Tropfen Birkenknospen und dann wieder Johannisbeer. Am nächsten Tag beginnt man mit den Birkenknospen.

 

Heckenrose: Generell wirken die Sprossen entzündungshemmend, immunmodulierend, weshalb sie auch bei Allergien eingesetzt werden können. Ein Schwerpunkt der Wirkung liegt im Atemwegsbereich und das vor allem bei Kindern, die ständig krank sind. Sollten also vor allem bei Kindern mit allergischen Atemwegserkrankungen eingesetzt werden, in Kombination mit den Birkenknospen.

 

Schneeball: Medizinisch wird der Schneeball bei uns nicht verwendet, im Gegenteil, er wird sogar als giftig betrachtet. Mittlerweile ist klar, dass man die Früchte des Schneeballs auch essen könnte. Das Knospenmazerat wird in der Gemmotherapie verwendet, da es entspannend auf Bronchien und Lunge wirkt. Das Mazerat kann also unterstützend bei Pollenallergien mit Hustenreiz eingesetzt werden.

 

Weißbuche (Hainbuche): Das Knospenmazerat hilft vor allem bei Allergien mit Atemwegsproblemen. Es wirkt auf die Schleimhäute der oberen Atemwege, beruhigt Hustenreiz und kann ebenfalls unterstützend zu den anderen Mazeraten eingesetzt werden.

 

Zitrone und Quitte gegen Heuschnupfen

Rudolf Steiner, der Begründer der anthroposophischen Medizin, stützte sich bei der Entwicklung stark auf die Signaturlehre von Paracelsus, der meinte, dass die inneren Qualitäten einer Pflanze sich an ihrem Äußeren erkennen lassen. Gegen Heuschnupfen hat Rudolf Steiner auf der Basis dieser Erkenntnis ein besonderes Heilmittel namens Gencydo entwickelt. Zitronen umhüllen mit ihrer derben Schale ein saftiges Inneres, man könnte sagen, sie sind ein Sinnbild der zentripetalen Kräfte. Beim Heuschnupfen überwiegen die zentrifugalen Kräfte – beim Niesen spritzt nur so das Sekret nach außen und die Augen rinnen fortwährend. Eine andere Flüssigkeitsbildung findet sich in der Quitte – die Frucht ist zwar hart, doch wenn man sie erhitzt, ist sie eine der saftreichsten Früchte und hat dazu viele reizmildernde Schleimstoffe in den Kernen. Aus diesen beiden Pflanzen hat die anthroposophische Medizin Heilmittel entwickelt, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt. Am wirkungsvollsten wäre die Anwendung in Form subkutaner Injektionen, die sollte aber einem anthroposophischen Arzt vorbehalten bleiben. Zur wirkungsvollen Selbstanwendung eignen sich dagegen Lösungen zur nasalen Anwendung (mit einem Wattestäbchen die Nasenschleimhaut einpinseln) oder Augentropfen. Statt der Zitronen – Quitten – Augentropfen könnte man auch Euphrasia (Augentrost) – Tropfen verwenden, die vor allem dann helfen, wenn die Augenbindehäute rot sind und jucken.

 

Homöopathie gegen Heuschnupfen

Die homöopathischen Mittel, die zur Selbstanwendung empfohlen werden können, dienen höchstens zur Linderung der Symptome. Eine Basisbehandlung muss einem in Homöopathie ausgebildeten Arzt vorbehalten bleiben.

Galphimia D4: Die homöopathische Zubereitung dieser mexikanischen Heilpflanze ist noch nicht so lange in der Therapie, hat sich aber bei Heuschnupfen sehr bewährt. Sie hilft vor allem bei Juckreiz im Hals, brennenden Augen und Niesreiz mit gleichzeitig rinnender Nase. In der Anfallzeit nimmt man täglich 3 mal 5 Globuli.

Euphorbium D6: Die Wolfsmilch nimmt man in erster Linie dann, wenn heftiger Niesreiz das Hauptsymptom ist, sei es, ob der Niesreiz nicht zum Niesen führt oder heftiges Niesen nicht gestoppt werden kann. Täglich 3 mal 5 Globuli.

Euphrasia D6: Den Augentrost nimmt man dann, wenn die Symptome sich vor allem in den Augen bemerkbar machen. Die Tränen sind scharf, die Nase rinnt auch, es brennt aber nicht. Täglich 3 mal 5 Globuli.

 

Betula Pendula

Betula Pendula