Lang leben mit Heilpilzen

„Esst Pilze und ihr lebt länger“, sagt die Mykotherapie. Dieser Begriff wurde von Jan Lelley, Professor für Pilzkunde an der Universität Bonn geprägt und zwar analog zur Phytotherapie, der therapeutischen

Anwendung von Heilpflanzen, sozusagen „Pilztherapie“, da Pilze ja nicht zu den Pflanzen gezählt werden. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Pilze schon seit Beginn unserer Zeitrechnung als Heilmittel eingesetzt. Doch auch bei uns kannte und nutzte man heilsame Pilze. Schon der Gletschermann „Ötzi“ trug Birkenporlinge bei sich und nutzte sicher ihre Wirkung gegen Darmparasiten. Noch im Mittelalter wusste man heilende Pilze zu nutzen, leider geriet dieses Wissen in Vergessenheit. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich aber unsere westliche Wissenschaft mit den Inhaltsstoffen und möglichen therapeutischen Wirkungen von bestimmten Pilzen.

 

Mykotherapie in der Traditionellen Chinesischen Medizin

In Ostasien werden Pilze schon seit Jahrhunderten als Heilmittel verwendet und auch gezüchtet.

In Asien werden Pilze zur Linderung von zahlreichen Krankheiten eingesetzt,. Mittlerweile belegen wissenschaftliche Studien ihre Immunsystem regulierende Wirkung, sie können auch bei Allergien helfen und manche Wissenschaftler empfehlen sogar ihren Einsatz bei Krebs, allerdings nur in begleitender Form zu schulmedizinische Therapien. Manche Pilze aktivieren das ganze Verdauungssystem, andere regulieren den Blutdruck und wirken durchblutungsfördernd. Vor allem enthalten sie alle sehr viel Ergosterin, eine Vorstufe von Vitamin D. Der heurige lichtarme Winter hat bei vielen Menschen zu einem Mangel dieses wichtigen Vitamins geführt, von dem man meint, dass es viel mehr Funktionen im Körper hat, als nur für die Knochenstabilität zu wirken.

Es könnte also sicher nicht schaden, wenn wir jetzt im beginnenden Frühling unseren ganzen Körper mit Heilpilzen wieder in Schwung bringen. Drei Pilze könnte man dafür besonders empfehlen.

Wie kommt man zu Heilpilzen

Die beginnende Popularität von Heilpilzen in Europa führt, wie so oft, dazu, dass sie als Wundermittel angepriesen werden und mit fragwürdigen Verkaufsmethoden den Weg zu kranken Menschen finden. Am seriösesten ist es, die Pilze in der Apotheke zu kaufen. eist werden sie als fertige Präparate in Kapselform angeboten. Da Heilpilze bei uns als Nahrungsergänzungsmittel in den Handel kommen, gibt es keine Vorschriften über Inhaltsmengen, es ist aber sinnvoll, sich an die auf den Packungen angegebenen Mengenangaben zu halten. Daher der Rat, nur Produkte von seriösen Firmen über die Apotheken zu beziehen.

Lackporling für Herz und Immunkraft

Der Glänzende Lackporling wächst auch bei uns an vermodernden Baumstümpfen diverser Laubbäume, allerdings findet man ihn sehr selten. Wegen seiner Konsistenz ist er zum Verzehr ungeeignet, aber wegen seiner glänzenden, rot gefärbten Oberseite wird er gerne in Gestecke gegeben. In China und Japan, wo er Reishi genannt wird, züchtet man ihn schon sehr lange und betrachtet ihn als König aller Heilpilze. „Zhi“ heißt übrigens „göttliches Heilkraut“ und Ling Zhi , Pflanze der Unsterblichkeit. Seit 4000 Jahren sagt man in China dem Ling Zhi magische Heilkräfte, heute werden sie schön langsam auch wissenschaftlich bewiesen.

Aus Sicht der TCM ist der Pilz deshalb so besonders wirkungsvoll, weil er auf alle fünf Funktionskreise im Körper wirkt, ähnlich wie das auch der Ginseng tut. Die Liste der Leiden, gegen die er eingesetzt wird, ist fast endlos: antithrombotisch, cholesterinsenkend, blutdrucksenkend. Bei Allergien hemmt er die Freisetzung von Histaminen im Körper, was die Symptome lindert. Auf die Bronchien hat er eine erweiternde Wirkung, was sich bei Asthma positiv auswirkt. Auch auf die Tätigkeit des Herzens wirkt sich Ling Zhi positiv aus: erhöhter Blutdurchfluss bei geringerem Sauerstoffverbrauch. Daher kann der Ling Zhi unterstützend bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße eingesetzt werden.

Überhaupt zeigen neuere chinesische Forschungen, dass Ling Zhi hilft, die Sauerstoffaufnahme in jeder einzelnen Körperzelle zu verbessern. Deshalb wird er auch zur Vorbeugung der Höhenkrankheit eingesetzt. Vermutlich ist auf die verbesserte Sauerstoffaufnahme auch die dem Ling Zhi zugesprochene Wirkung gegen Impotenz, die ihn ja vor allem berühmt gemacht hat, zurückzuführen.

Außerdem wirkt der Ling Zhi immunstärkend, hilft bei körperlicher und geistiger Erschöpfung und er kann helfen, frühzeitige Altersprozesse zu hemmen.

Klapperschwamm oder Maitake gegen Osteoporose

Der Name Maitake kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Tanzender Pilz“, vermutlich deshalb, weil die Freude so groß war, wenn man den Baumschwamm trotz seiner guten Tarnung entdeckte.

Sein hoher Gesundheitswert wird seit kurzem vor allem in Amerika erforscht. Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Ergosterin, einer Vorstufe des Vitamin D, das für den Aufbau der Knochen von Bedeutung ist, weil es die Resorption von Kalzium verbessert. Maitake kann somit helfen der Osteoporose vorzubeugen und im Krankheitsfall den Fortschritt des Leidens zu verzögern. Zu dieser Indikation wird er neuerdings in naturheilkundlichen Kreisen ganz besonders empfohlen.   Wie viele der Heilpilze kann der Maitake blutzuckersenkend wirken, indem er die Insulinsensitivität der Zellen erhöht und somit ähnlich wie Zimt die Aufnahme von Glucose in die Zellen verbessert. Bestimmte Fraktionen der Inhaltsstoffe lassen auch eine Vermutung auf eine tumorhemmende und antivirale Wirkung zu.

Judasohr oder Mu Er für die Durchblutung

Der chinesische Verwandte unseres Judasohres wird als „Chinesische Morchel“ in getrockneter Form mittlerweile in Supermärkten angeboten. Viel schöner ist aber die Bedeutung seines Namens Mu Er (auch Mu- Ehr oder Mu- Err geschrieben) als „Holzohr“ und noch schöner die Bezeichnung „Wolkenohrenpilz“, denn getrocknet sieht er wirklich wie Wolken aus, allerdings sehr schwarze. Aus der chinesischen Küche ist er nicht wegzudenken. In China wird er schon seit 1500 Jahren kultiviert.

Die TCM empfiehlt den Einsatz von Mu Er bei Bluthochdruck und Arteriosklerose. Interessant ist die adaptogene Wirkung des Mu Er: einerseits ist er thrombosevorbeugend, also gerinnungshemmend, gleichzeitig vermag er jedoch auch Blutungen (z.B. Menstruationsblutungen) stillen. Generell kann man sagen, dass der Mu Er „das“ beste Mittel zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes ist. Er hilft beispielsweise bei Schmerzen in den Beinen wegen Gefäßverengungen, bei Venenentzündungen, Krampfadern und ist überhaupt zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall zu empfehlen.

Chinesische Forschungen zeigen auch eine entzündungshemmende Wirkung vor allem auf Schleimhäute, die er im Darmtrakt und in den Bronchien befeuchten hilft. Aus diesem Grund wird der unterstützende Einsatz von Mu Er neuerdings auch bei chronischen Darmerkrankungen wie Colitis empfohlen.Er wirkt auch cholesterinsenkend, immunstärkend, vermutlich tumorvorbeugend und hilft bei Übersäuerung des Gewebes, somit auch bei Muskelkater.