Brunelle, vergessene Heilpflanze

Sie wächst vor jeder Haustür in der Wiese, ist nicht unattraktiv, doch kaum jemand kennt sie. Noch weniger bekannt ist, dass die Brunelle, die auch Braunelle genannt wird, eine recht wirkungsvolle Heilpflanze ist. Ganz anders ist das in China, wo Xia ku cao, wie sie dort heißt, hoch geschätzt wird und auch in Amerika wo man sie Selfheal, „Selbstheil“ nennt. Auch hierzulande sollte man dieser Heilpflanze wieder mehr Beachtung schenken.

 

Kleine Brunelle

Prunella vulgaris ist der botanische Name dieser Pflanze, die zu den Lippenblütlern zählt. Mit ihren dunkelblauen Blüten ist sie eine Zierde unserer Wiesen und bei den Bienen sehr beliebt. Sie ist nicht sehr auffällig mit ihrem niederen Wuchs und wird daher oft im hohen Gras der Wiesen übersehen. Sie wächst wirklich fast in jeder Wiese und übersteht auch regelmäßiges Mähen mit dem Rasenmäher. Ähnlich wie das Gänseblümchen beginnt sie schon bald nach dem Mähen wieder zu blühen. Daher ist der englische Name Selfheal recht treffend, die Brunelle scheint unverwüstlich zu sein und kann so wie das Gänseblümchen als Heilmittel gegen Verletzungen betrachtet werden.

 

Die Signatur der Brunelle

In früheren Zeiten, als die Kräuterkundigen noch mehr Intuition brauchten, um die Heilwirkung der Pflanzen erkennen zu können, bediente man sich gerne der Signaturlehre. Paracelsus war ein Meister dieser Betrachtungsweise und er schrieb, dass man vom Äußeren auf die „inneren Tugenden“ schließen könne. Natürlich belächeln naturwissenschaftlich orientierte Kräuterkundige ein solches Herangehen an die Heilpflanzen. Doch eigenartigerweise kann in den meisten Fällen die Heilwirkung, die man früher beschrieb, auch aus Sicht der Wissenschaft betätigt werden. Es kann daher nicht schaden, die Brunelle besser zu betrachten, um ihre Wirkung zu verstehen.

 

Brunelle gegen Rachenentzündung

Braunelle nannte man früher die Brunelle und das kam daher, weil man die Pflanze zur Behandlung der „Halsbräune“ einsetzte, unter der man entzündliche Prozesse im Mund und Rachenbereich verstand. Zu dieser Erkenntnis kam man, weil die Blütenkrone der Brunelle einem Hals mit geschwollenen Drüsen ähnelt. Mathiolus, ein berühmter Arzt im 16. Jh. schrieb: „Braunelle hat den Namen von ihrer Eigenschaft, dass sie bei Entzündung der Zunge, welche man die Bräune nennt, gebraucht wird….und der Saft dient zum Gurgeln bei Mundfäule und wundem Hals.“

Pharmakologisch lässt sich dieser Rat bestätigen, auch wenn man bis vor kurzem nicht allzu viel über die Inhaltsstoffe der Brunelle wusste. Aber eine Wirkstoffkombination von Gerbstoffen, Bitterstoffen, ätherischem Öl, Harzen und Saponinen kann bei entzündlichen Prozessen in Mund und Rachen sicher wirksam sein.

 

Brunelle

Brunelle

 

Brunelle hilfreich bei Verletzungen

Einen weiteren Hinweis auf die Anwendung der Brunelle bringt das Betrachten der einzelnen Blüten. Sie ähneln im Profil nämlich einer Hippe, volkstümlich auch „Zappel“ genannt, einem in der Forstwirtschaft verwendetem Beil. Daraus schloss man, dass die Brunelle bei Verletzungen, die durch ein scharfes Werkzeug hervorgerufen werden, helfen kann. Gerard, ein englischer Kräuterkundiger des Mittelalters, schrieb, dass sich mit einem Absud von Brunelle äußere und innere Wunden schnell verschließen würden. In der Volksmedizin wurde die Brunelle bei allen Formen von Verletzungen verwendet und in England gab es sogar einen Spruch: „Wer Selfheal (Selbstheil) hat, braucht keinen Arzt“. In England und auch in Amerika wird die Brunelle auch heute noch als Wundheilmittel geschätzt und man findet die Pflanze auch in den offiziellen Arzneibüchern.

 

Amerikanische Forschungen

Kanadische Forscher haben die Brunelle neuerdings genauer untersucht. Dabei fand man neben vielen sehr antibakterielle wirkenden Terpenen einen Wirkstoff, die Rosmarinsäure, dem eine antivirale Wirkung zugeschrieben werden kann. Ferner fand man ein Polysaccharid, das Prunellin genannte wurde, dem ebenfalls antivirale Wirksamkeit zugeschrieben werden kann und das in Laborstudien nicht nur gegen Herpes- Viren sondern sogar HI- Viren eine Aktivität zeigte. Diese Inhaltsstoffe der Brunelle könnten also in Zukunft zu sinnvollen Medikamenten führen, die vor allem zur Herpes- Behandlung entwickelt genutzt werden können, meinen die kanadischen Forscher.

 

Xia ku cao, Brunelle in der TCM

In der TCM wird die Brunelle schon in den frühen Schriften erwähnt. Im alten China empfahl man Xia ku cao vor allem gegen Erkrankungen, deren Ursache in einer gestörten Leberfunktion begründet ist. Die Brunelle gilt als kühlend auf die Leber, weshalb sie bei entzündlichen Prozessen in der Leber und daraus resultierender Gelbsucht eingesetzt wird. Neuere chinesische Untersuchungen zeigten, dass Xia ku cao auch bei Bluthochdruck helfen kann, da es eine leichte Erweiterung der Blutgefäße bewirkt. Gemeinsam mit Chrysanthemenblüten setzt man daher in der TCM Brunelle als Tee gegen Leberstörungen und auch gegen Kopfschmerzen mit Schwindel, deren Ursache hoher Blutdruck ist, ein.

 

Brunelle selber sammeln

Bei uns ist die Brunelle als Heilpflanze ganz in Vergessenheit geraten, man bekommt sie daher kaum in der Apotheke, höchstens als Droge für TCM- Rezepturen. Selber sammeln ist aber kein Problem, da die Pflanze wirklich in jeder Wiese wächst und kaum verwechselt werden kann. Gesammelt wird das blühende Kraut, also Blätter und Blüten. Um Tee daraus machen zu können, lässt man das Kraut trocknen. Man kann aber auch eine Tinktur oder eine Salbe aus der Brunelle herstellen.

Tee: 2 TL Droge (getrocknetes Kraut) mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen.

Tinktur: Frisches Kraut in Glas füllen, mit 40 % Alkohol übergießen, 3 Wochen ziehen lassen, abfiltern.

Salbe: Frisches Kraut mit Öl (Mandelöl, Distelöl, etc.) übergießen, 1 Stunde ziehen lassen, dann in ein Wasserbad stellen, ½ Stunde lang ausziehen lassen, abfiltern. Den Ölauszug noch einmal ins Wasserbad stellen, im Verhältnis 4 Teile (Ölauszug): 1 Teil Bienenwachs (aus der Apotheke) vermischen und rühren, bis sich das Wachs aufgelöst hat. In Tiegel abfüllen.

 

Brunelle für die Hausapotheke

Als Tee kann die Brunelle zum Gurgeln bei Mund- und Rachenentzündungen angewendet werden. Den Tee trinkt man bei chronischen Atemwegsproblemen, grippalen Infekten und leichten Durchfällen. Als Sitzbad nutzt man den Tee bei Hämorrhoiden, Bindehautentzündungen, und als Umschlag bei entzündlichen Hautproblemen wie Ekzemen und bei Verletzungen.

Die Tinktur kann verdünnt zur Wundreinigung und als Umschlag bei Verstauchungen und Zerrungen eingesetzt werden. Bei Zahnfleischproblemen sollte man die Tinktur zum Mundwasser geben.

Die Salbe hilft bei Hauterkrankungen mit Juckreiz und bei Ekzemen, auch bei Hautproblemen mit Bläschen (Nesselsucht) kann man die Salbe anwenden. Außerdem hilft sie zum Ausheilen von Wunden und zur Narbenbehandlung und nach den neuesten Erkenntnissen gegen Herpes, also Fieberblasen.