Braunwurz, vergessene Heilpflanze

Auch wenn die Braunwurz in der Kräuterheilkunde kaum mehr bekannt ist, wäre anzuraten, sich ihrer zu erinnern und sie wieder anzuwenden. Sie ist nämlich sehr wirkungsvoll bei einer Lymphatischen Diathese, wie man in der Homöopathie eine Krankheitsbereitschaft der Haut und der Schleimhäute nennt, was zu einer besonderen Infektionsanfälligkeit führt.

Braunwurz, eigenartige Pflanze

scrophularia-nodosaDie Braunwurz gehört zu den in Europa bis hin nach Ostasien weit verbreiteten Pflanzen. Sie wächst an feuchten Stellen in Wäldern, an Waldrändern oder an Flussufern. Der Name Braunwurz bezieht sich auf die Farbe des Wurzelstockes, aber auch der Blüten. Diese Blüten sind wirklich was Besonderes, denn es gibt nur wenige Pflanzen, die braune Blüten tragen. Die der Braunwurz sind braun- violett mit aufgeblasenen Schlunden. Diese Blütenform ist der Wespe, dem Tier, das die Bestäubung besorgen soll, angepasst. Diese spezielle Form der Blüten, deren Schlunde an den Rachen erinnern, haben der Familie, zu der die Braunwurz gehört, den Namen „Rachenblütler“ verliehen. Heute betrachtet man aber die Braunwurzgewächse als eigene Familie.

Scrophularia gegen Skrofulose

Der botanische Name der Braunwurz lautet Scrophularia nodosa. Hier wird bereits im Pflanzennamen der Bezug zur Krankheit hergestellt: scrophula,   lat. Halsgeschwür. Beim Ausgraben sieht man an den langen Wurzeln knötchenartige Verdickungen, daher der botanische Artname nodosa, lat. knotig. Die Verwendung der Braunwurz war schon im Altertum bekannt, Dioscorides, der berühmte Arzt des 1. Jh. u. Z., lobt sie: „ Die Blätter…….haben die Kraft, Drüsen…..zu zerteilen „ und empfahl die Anwendung bei geschwollenen Drüsen. Auch die Kräuterdoctores des Mittelalters, die auf die Signaturen der Pflanzen achteten, verwendeten die Braunwurz bei der Skrofulose, also geschwollenen Mandeln und Lymphknoten im Rachen und Halsbereich. Aber auch gegen „Grind und Räudigkeit“, also bei ekzematösen Hautkrankheiten wurde Braunwurz eingesetzt.

Lymphe und Infektanfälligkeit

Naturheilkundlich orientierte Ärzte sagen: „Die Skrofulose steht nicht mehr in den Lehrbüchern, sitzt aber dennoch in unseren Wartezimmern“. In der alten Fachliteratur finden wir für die Skrofulose folgende Symptome: chronisch- katarrhische Entzündungen wie Bronchitis, chron. Schnupfen, Mittelohrentzündungen, aber auch Ekzeme, Lymphknotenschwellungen, vergrößerte Mandeln. In der heutigen Zeit spricht man, wenn überhaupt, von der „Lymphatischen Diathese“. Dabei handelt es sich um eine angeborene Krankheitsanfälligkeit der Haut und Schleimhäute. Sie entwickelt sich bereits in den ersten Lebensmonaten und bleibt häufig bis zur Pubertät bestehen. Danach treten diese Beschwerden oft in den Hintergrund und verlagern sich auf andere Organsysteme. Die ersten Hautreaktionen zeigen sich bei Säuglingen in Form von Milchschorf, Windelekzemen und nässender Dermatitis. Bei größeren Kindern zeigt sich eher eine Tendenz zu trockenen Ekzemen oder Neurodermitis. Besonders typisch sind aber immer wiederkehrende Entzündungen im bereich er Schleimhäute mit ständiger Erkältung, „Rotznase“, Ohrenschmerzen und Mandelentzündungen. Das lymphatische Kind „hustet sich“ von Infekt zu Infekt.

Als Ursache sieht die Naturheilkunde eine Schwäche der Lymphsysteme, mit den dazugehörigen Organsystemen. Da die Lymphorgane im Kindesalter allgemein sehr aktiv sind, da sie zur Entwicklung eines funktionstüchtigen Immunsystems beitragen, wirkt sich diese Schwäche des Lymphsystems besonders stark aus. Rein symptomatische Behandlungen der Erkältungen z. B. mit Antibiotika lösen das Problem nicht auf Dauer. Die Naturheilkunde empfiehlt daher in solchen Fällen nicht nur das Immunsystem sondern vor allem das Lymphsystem zu stärken.

Das Lymphsystem

Obwohl der Mensch ungefähr dreimal mehr Lymphe als Blut besitzt, spielt diese in der Medizin nur eine untergeordnete Rolle. Die Naturheilkunde betrachtet die „weiße Schwester des Blutes“ mit viel größerem Interesse. Je besser das Lymphsystem funktioniert, umso wirkungsvoller funktioniert die Entgiftung und „Entschlackung“ der einzelnen Organe und des Bindegewebes, die durch ein dichtes Netz von Lymphgefäßen an das Lymphsystem angeschlossen sind. Die Lymphknoten haben dabei die Funktion von Filterstationen, in denen sie mit Hilfe von Lymphozyten und Makrophagen (Fresszellen) Erreger und Schadstoffe aus dem Körper eliminieren. Zur Aktivierung des Lymphsystems stehen neben der manuellen Lymphdrainage auch viele altbewährte Heilpflanzen und vor allem die Braunwurz zur Verfügung.

Inhaltsstoffe der Braunwurz

Verendet wird traditionell die Wurzel, aber auch die Blätter der Braunwurz. An Inhaltsstoffen sind in der Wurzel vor allem sogenannte Iridoidglykoside gefunden worden und zwar Harpagosid und Harpagid sowie Aucubin, dazu ein Glykosid, Flavonoide und Saponine. Die Zusammensetzung der Iridoide gleicht der von der Teufelskralle (Harpagophytum) aus der Kalahari- Wüste, der Gehalt ist aber geringer. Dennoch kann auf Grund dieser Inhaltsstoffe auch der Braunwurz eine entzündungshemmende Wirkung zugesprochen werden, was auch einen Einsatz bei rheumatischen Beschwerden empfiehlt.

Braunwurz anwenden

Das Indikationsspektrum, in dem eine Anwendung von Braunwurz empfohlen werden kann, ist recht groß.

Bei Kindern mit Lymphatischer Diathese kann die Braunwurz als Tee eingesetzt werden, wobei man diesen auch mit Ringelblumenblüten und Stiefmütterchenkraut mischen sollte.

In Form einer Urtinktur (in dieser Form ist Scrophularia in der Apotheke erhältlich) hilft die Braunwurz unterstützend auch bei Erwachsenen mit Infektanfälligkeit, chronischem Schnupfen, Neigung zu Seitenstrangangina und Lymphdrüsenentzündungen.

Bei Hauterkrankungen wie Ekzemen, unterstützend auch bei Schuppenflechte, kann die Braunwurz sowohl innerlich als auch äußerlich in Form einer Salbe eingesetzt werden.

Formen der Anwendung

In der Apotheke gibt es eine Reihe von lymphanregenden Präparaten, die auch Braunwurz enthalten.

Teezubereitung: 1 TL der Wurzel auf ¼ l heißes Wasser im Aufguss, 10 Minuten ziehen lassen. Für Kinder nimmt man ½ TL Droge.

Salbe: In der Apotheke Scrophularia- Urtinktur 10 % in eine Salbenbasis einarbeiten lassen.

Achtung: Nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit, da dazu zu wenig Untersuchungen vorliegen. Auch Herzkranke sollten besser auf die Braunwurz verzichten, obwohl sie herzanregende Glykoside enthält. Das könnte aber die Wirkung üblicher Herzmedikamente negativ beeinflussen.