Aromatherapie und Schwangerschaft

jasminum-sambacDie Aromatherapie ist längst von einer Modeerscheinung zu einer ernst zu nehmenden Therapieform geworden. Die Aromatherapie hat sich im professionellen Pflegebereich etabliert und wird auch von vielen Hebammen in der Geburtshilfe angewendet. Grundsätzlich eignet sich die Aromatherapie auch zur Selbstanwendung in der Hauskrankenpflege, Voraussetzung ist allerdings ausreichende Kenntnis über den richtigen Umgang mit ätherischen Ölen. Eine sensible Zeit, in der ein Einsatz von ätherischen Ölen besonders sorgfältig überlegt werden muss, ist die Schwangerschaft.

Heilsame Aromatherapie

Mit diesem Begriff bezeichnet man den Einsatz von ätherischen Ölen zur Heilung, Linderung oder Verhinderung von Krankheiten. Da auch im Wellness – Bereich oder der Kosmetik die Verwendung von ätherischen Ölen als Aromatherapie angeboten wird, entsteht leider meist der Eindruck, dass Aromatherapie nur etwas zum „Wohlfühlen“ ist und der Einsatz von ätherischen Ölen harmlos ist. Generell ist man heute gern der Meinung, dass „Naturstoffe“ ungefährlich sind. Ätherische Öle sind aber hochwirksame Stoffgemische, die neben anderen Wirkstoffen in Pflanzen vorkommen. Viele ätherische Öle enthalten toxische Bestandteile, die bei unsachgemäßer Anwendung zu schweren Nebenwirkungen führen können. Die „Harmlosigkeit“ der ätherischen Öle vermittelt vielleicht folgender Vergleich: 1 Tropfen Pfefferminzöl entspricht dem Gehalt an ätherischem Öl von ca. 50 – 60 Tassen Pfefferminztee. Es kann also nur geraten werden, den richtigen Einsatz von ätherischen Ölen genau zu studieren.

Was versteht man unter Aromatherapie

Ätherische Öle sind lipophil, also fettlöslich und können über die Haut und da vor allem über das Unterhautfettgewebe aufgenommen werden. Die übliche Anwendung von ätherischen Ölen erfolgt daher in Form einer Anwendung auf der Haut, zarten Streichmassagen entweder so nahe wie möglich zum betroffenen Organ oder über Reflexzonen. Eher abzuraten ist von einer innerlichen Einnahme von ätherischen Ölen. Die Anwendung über Duftlampen kann zwar durchaus zu „Wohlfühlzwecken“ empfohlen werden, eine therapeutische Wirkung ist nur begrenzt zu erwarten.

Wirkungsvoller Duft

Ätherische Öle erfüllen einen Wunsch der Ganzheitsmedizin. Einerseits haben sie auf Grund der chemischen Bausteine eine konkrete physiologische Wirkung auf verschiedene Organsysteme, andrerseits wirken sie über ihre duftenden Bausteine, die über die Riechschleimhaut in der Nase aufgenommen werden, auf das Zentrum unserer Gefühle im Gehirn, auf das Limbische System. Sie haben damit nicht nur eine konkrete therapeutische Wirkung auf den Körper, sondern können auch zu psychischem Wohlbefinden beitragen.

Wie wirken ätherische Öle

Die Zusammensetzung der ätherischen Öle ist je nach Pflanze, aus der sie stammen, unterschiedlich. Man kann aber folgende Wirkungen zusammenfassen: viele sind antibakteriell, pilzhemmend und auch antiviral. Sie können auf der körperlichen Ebene blähungswidrig, gallenflüssigkeitsanregend, auswurffördernd, etc. sein. Auf der psychischen Ebene können sie antidepressiv, angstlösend oder beruhigend sein.

Gefährliche ätherische Öle während der Schwangerschaft

Der Einsatz von ätherischen Ölen während der Schwangerschaft muss aus vielen Gründen abgeraten werden

  • Viele ätherische Öle können hormonelle Wirkung haben, was sich emmenagog, sprich regelauslösend auswirken kann. Solche ätherischen Öle dürfen natürlich in der Schwangerschaft auf keinen Fall verwendet werden. Dazu zählen vor allem:
    Schafgarbe, Zimt, Fenchel, Niaouli, Muskat, Anis, Salbei, ferner werden auch Estragon, Kamille, Zeder, Wacholder, Liebstöckel, Eisenkraut, Cajeput, Basilikum, Oregano, Rosmarin, Muskatellersalbei und Vetiver als sehr problematisch für die Schwangerschaft betrachtet.
  • Als uterotonisch, also die Gebärmutter stärkend bis hin zu Wehen auslösend werden folgendeÖle betrachtet:
    Zimt, Fenchel, Eisenkraut, Muskat, Piment, Anis, Gewürznelke und Thymian.
  • Manche ätherischen Öle können hormonartige Wirkung haben, sollten daher vor allem im ersten    

Drittel (Trimenon) der Schwangerschaft gemieden werden: Rose (und zwar sowohl die Damaszenerrose als auch die Mairose), Muskatellersalbei, Myrrhe, Niaouli und Kiefer.

Gefährlich für den Embryo

Einzelne Bestandteile von ätherischen Ölen können die Plazenta und die Blut – Hirn – Schranke passieren. Darunter versteht man eine physiologische Barriere zwischen dem Zentralnervensystem und dem Blutkreislauf. Dies dient dem Schutz des Gehirns vor im Blut zirkulierenden Toxinen und Krankheitserregern. Substanzen wie Alkohol, Nikotin und andere Drogen können diese Blut – Hirn – Schranke überwinden, weil sie fettlöslich sind und das gilt eben auch für ätherische Öle. Das bedeutet, dass in der sensiblen Zeit der Kindesentwicklung im Bauch ätherische Öle auf sein Zentralnervensystem wirken können. Vor allem in den ersten Wochen des Embryonalstadiums, in denen sich das Gehirn entwickelt, sollten ätherische Öle strikt gemieden werden. Die Natur hat es übrigens ohnehin weise eingerichtet – während der Schwangerschaft, vor allem in der ersten Zeit, sind Frauen besonders geruchsempfindlich. Dieser „Beschützerinstinkt“ sollte klar machen, dass es besser ist, auf ätherische Öle, aber auch auf penetrant riechende Deos oder Parfums zu verzichten. Um die Problematik zu veranschaulichen, könnte man folgende Beispiele bringen: Lavendel und Bergamotte werden gerne zur Vorbeugung gegen Schwangerschaftsstreifen auf den Bauch als Massageöl aufgetragen. Lavendel hat konkret beruhigend Wirkung, die Bergamotte ist dagegen stimmungsaufhellend. Wie geht es dem armen werdenden Kind bei so einem „Psychococktail“?

Alternative – Kräuter verwenden

In den Pflanzen sind die ätherischen Öle nur ein Bestandteil von vielen Wirkstoffen. Ihre Konzentration ist daher nicht so hoch wie wenn das isolierte ätherische Öl verwendet wird. Darüber hinaus sind ätherische Öle schlecht wasserlöslich, also im Tee wenig gelöst. Es ist also zu empfehlen, während der Schwangerschaft die heilsame Wirkung der ätherischen Öle in Form der Verwendung von Kräutern, sei es als Tee, für Bäder oder als Salbe, zu nutzen.

Aromatherapie zur Geburtserleichterung

Im letzten Abschnitt der Schwangerschaft und vor allem bei der Geburt kann die Wirkung der ätherischen Öle sehr wohl genutzt werden. Am besten wäre es natürlich, das unter Anleitung einer erfahrenen Hebamme zu machen. Dennoch einige Tipps zur Selbstanwendung:

Bei vorzeitigen Wehen kann das echte Majoran – Öl sehr hilfreich sein. meist wird allerdings ein spanischer Thymian, Thymus mastichinus, als Majoran – Öl verkauft. Frau sollte also nur bei seriösen Firmen ätherische Öle kaufen und auch dann noch nachfragen, ob es sich um echten Majoran, botanisch also Origanum majorana handelt.

Anwendung: Auf 100 ml Mandelöl 10 Tropfen Majoran – Öl geben und damit den Bauch sanft einstreichen.

Zur Anregung der Wehen:

In den letzten Tagen vor dem Geburtstermin kann eine tägliche Massage mit Muskatellersalbei und Rose (auf 100 ml je 10 Tropfen) helfen, die Gebärmutter zu stärken. Alle als uterotonisch einzustufenden ätherischen Öle können wehenauslösend wirken. Sie könnten einerseits hilfreich sein, wenn der Geburtstermin schon überschritten ist oder wenn bei der geburt die Wehentätigkeit nachlässt. Zur Erinnerung, dazu zählen Fenchel, Eisenkraut, Anis, Gewürznelken.

Entspannende Düfte zur Geburt

Während der Geburt kann mit Düften in der Aromalampe eine angenehme, entspannte Atmosphäre geschaffen werden. Dafür eignet sich besonders Bergamotte, Geranie, Muskatellersalbei oder Lavendel.

Angstlösend und entkrampfend wirken Bergamotte und Lavendel, Anwendung am besten als sanfte Rückenmassage.

Fenchel: hilft der Frau, die Entbindung gelöster und leichter zu ertragen.

Eisenkraut (Lippia citriodora): wirkt wehenunterstützend

Jasmin: ist sozusagen das „Geburtsöl“. Wirkt euphorisierend, hilft, dass im Gehirn schmerzlindernde Botenstoffe ausgeschüttet werden, hilft gegen Kreuzschmerzen während der Geburt und kann helfen, den Ablauf der Geburt zu beschleunigen. Beim Kauf von Jasminöl sollte man auch auf seriöse Qualität achten.

Mutter – Kind – Bindung

Wie wichtig die Mutter – Kind -. Bindung über den Geruchssinn sein kann, ist heute unbestritten. Babys können ihre eigene Mutter und vor allem ihre milchspendende Brust aus mehreren Frauen „herausschnüffeln“. Um diese natürliche Duftbindung nicht zu stören, sollten nach der Geburt ätherische Öle nur in geringsten Mengen verwendet werden.

Wochenbettdepression

Die hormonelle „Berg – und – Talfahrt“ nach der Geburt führt bei vielen Frauen zu Gefühlsausbrüchen und manchmal auch zu depressiven Gefühlen. Da kann der Einsatz von stimmungsaufhellenden Ölen wie Bergamotte oder noch stärker wirkend Niaouli sehr hilfreich sein. Auch Mandarine und Geranium können angewendet werden. Anwendung entweder in der Duftlampe oder als Rückenmassage.

Duftende Säuglingspflege?

Säuglinge sollten im ersten Lebensjahr nur in Ausnahmefällen mit ätherischen Ölen und möglichst nicht mit bedufteten Pflegeprodukten behandelt werden. Ihre Haut ist besonders durchlässig und sehr empfindlich. Als Ausnahme kann nur das Rosenöl (auf 100ml 1 Tropfen) bei Hautproblemen empfohlen werden. Bei kolikartigen Blähungen kann eine zarte Bauchmassage mit Kümmel und Koriander (auf 100ml je 5 Tropfen) hilfreich sein.

Achtung: besonders gefährlich für Säuglinge sind Pfefferminze und Eukalyptus, da ihre Anwendung zu Erstickungsanfällen führen kann. Die Alternative in der Säuglingskrankenpflege ist daher besser die Anwendung von Heilpflanzen in der üblichen Form (Tee, Badezusatz,..)