Apitherapie – Gesundheit aus dem Bienenstock

Bild4 zu Nachlese (Kopie)So alt wie die Menschheit, ist auch die Beziehung zwischen Mensch und Biene. Die Wertschätzung von Bienenprodukten ist erfreulicherweise immer mehr steigend und die Apitherapie (Apis ist die Biene) findet zunehmend auch wissenschaftlich mehr Anerkennung. Die Honigbienen schenken dem Menschen folgende Produkte, die er als Arznei oder Nahrung verwenden kann: Bienengift, Propolis und Wachs (für Salben) werden therapeutisch genutzt, sowohl Heilmittel als auch Nährmittel sind dagegen Honig, Bienenpollen und Gelee Royale.

Die Bienen, Freunde des Menschen

Vermutlich sind die Bienen schon mindestens 40 Millionen Jahre länger auf dieser Welt als die Menschen. So wurden in Bernstein von der Ostseeküste, der vor 40 bis 50 Millionen Jahren entstand, Einschlüsse gefunden, die kaum von der heutigen Honigbiene zu unterscheiden sind. In der Höhle von Pauka bei Valencia in Spanien entdeckte man 12000 Jahre alte Felszeichnungen, die das sammeln von in Felsspalten nistenden Bienen darstellen. Bei allen alten Hochkulturen der Menschheit, den Babyloniern, den Ägyptern, Persern, Griechen und Römern stand die Bienenzucht in hoher Blüte und schon damals wurde die Produkte der Biene auch medizinisch genutzt.

Die Biene, eine homöopathische Arznei

Apis mellifica (apis, Biene, mellifica, honispendend) selbst wird zur Arznei, wenn sie homöopathisch potenziert wird. Vor allem setzt man Apis, meist als Apis D6 oder C30 bei Schwellungen ein, die denen von Bienenstichen ähneln: klar umschriebene Anschwellungen von rötlicher Farbe, mit stechendem Schmerz und brennender Hitze, mit Verlangen nach Abkühlung (z.B. kalten Umschlägen) und hoher Druckempfindlichkeit. Sollten die Folgen von Bienen- oder anderen Insektenstichen diese Symptome aufweisen, hilft Apis als homöopathisches Mittel. Die Gefahr im Winter von Bienen gestochen zu werden, ist wohl gering, Apis hilft aber auch bei stechenden Halsschmerzen mit dem Gefühl, einen zusammengeschnürten Hals zu haben. Außerdem kann man Apis bei Gelenksbeschwerden oder Gichtanfällen mit rötlichen und heißen Schwellungen, die auf kalte Umschläge gut reagieren, einsetzen.

Apitoxin, das Bienengift

Bienen schützen sich gegen Eindringlinge in ihren Bienenstock mit Hilfe ihrer Stacheln und dem beim Stich „injizierten“ Bienengift. Beim Menschen führt dieser Stich zu den oben genannten Symptomen, wobei man vor allem daran denken sollte, dass immer mehr Menschen auf Bienengift mit schwersten allergischen Symptomen reagieren. Die Volksmedizin vertritt allerdings die Meinung, dass Imker meist bis ins hohe Alter frei von entzündungsbedingten Erkrankungen bleiben, was nicht nur auf die imkerliche Tätigkeit zurückgeführt werden kann, sondern auch auf die häufigen Bienenstiche. Die Wirkung und Reaktion auf Apitoxin wurde genauer untersucht. Wenn Bienengift in den Körper gerät, aktiviert es die Nebennieren, wodurch es zu einer erhöhten Ausschüttung von körpereigenem Kortison kommt. Somit kann man Bienenstichen tatsächlich eine entzündungshemmende Wirkung zusprechen. In der Medizin wird es vor allem bei neuralgischen und rheumatischen Erkrankungen in Form von Salben verwendet. In Amerika wurde bei Untersuchungen auch eine positive Wirkung gegen Multiple Sklerose nachgewiesen. Behandlungen mit Bienengift sollten aber wegen der lebensgefährlichen allergischen Reaktionen Ärzten vorbehalten bleiben. Bezüglich Salben mit Apitoxin sollte man sich in der Apotheke informieren.

 

Propolis, der Immunschutz der Bienen

Propolis, das Kittharz der Bienen gewinnt als Naturheilmittel immer mehr an Bedeutung. Diese wachsartige, klebrige und balsamisch duftende Substanz sammeln die Bienen von bestimmten Baumknospen oder harzigen Teilen der Bäume. Dort hat das Harz eine Schutzfunktion, es behütet die Knospen oder Wundstellen vor Infektionen und Schädlingen. Unter Beifügung bieneneigener Stoffe wie Speichel entsteht das Kittharz. Propolis (pro, lat. für, polis, griech. Stadt) verwenden die Bienen, um im Bienenstock die Wände, Ecken, Rahmen und den Eingang zu beschichten und auch sich selbst überziehen sie mit einem hauchdünnen Film. So können sie sich vor Krankheitserregern schützen, Propolis dient den Bienen also als Infektionsschutz und keimabwehrender Stoff.

Die Zusammensetzung von Propolis ist äußerst komplex, bislang wurden 149 organische Verbindungen und 22 verschiedene Mineralstoffe gefunden. Propolis enthält ca. 30 % Wachse, 55 % Harze und Balsame, 10 % ätherisches Öl, 5 % Blütenpollen sowie eine hohe Menge an Flavonoiden, die nach den neuesten Forschungen für den größten Teil der vielfältigen Wirkungen von Propolis verantwortlich sind.

Wirkung:

  • bakterizid, vor allem gegen grampositive Eiterbildner, hemmt auch den Helicobacter pylori, der Gastritis auslösen kann. Propolis kann ohne Übertreibung als natürliches Antibiotikum bezeichnet werden mit dem Vorteil, dass keine Resistenzbildung zu erwarten ist, weil verschiedene Substanzen im Propolis antibakteriell wirken. Im Unterschied zu herkömmlichen Antibiotika wird die körpereigene Darmbakterienflora nicht gestört
  • fungizid, das heißt gegen Pilzerkrankungen aller Art (z.B. Candida)
  • antiviral (z.B. gegen Herpes)
  • antioxidativ
  • immunmodulierend
  • schmerzstillend
  • durchblutungsfördernd
  • gewebsbildungsanregend

Achtung, Propolis kann Kontaktallergien auslösen und Menschen mit einer Bienengiftallergie sollten auf Propolis besser verzichten.

 

Anwendung:

  • bei Atemwegserkrankungen, Erkältungserkrankungen, Grippe (auch vorbeugend)
  • bei Fieberblasen (Tinktur äußerlich auftragen)
  • bei Wunden, Geschwüren, Eiterprozessen, Ekzemen und Akne, Verbrennungen (äußerlich)
  • bei Parodontose und überhaupt Zahnfleischproblemen (gurgeln)
  • bei Magen- und Darmgeschwüren (innerlich)
  • Gelenkserkrankungen mit Entzündungscharakter (z.B. Tennisarm als Salbe)
  • Gürtelrose (innerlich und äußerlich)

Verwendung: Entweder als Tinktur oder Salbe. Die Einnahme (je 10 Tropfen)erfolgt entweder direkt oder gemeinsam mit einem Löffel Honig. Bei Erkältungserkrankungen kann man damit gurgeln, noch mehr empfiehlt sich, 10 Tropfen auf ein Stück Brot zu geben und dieses langsam zu kauen. Damit überzieht man die gesamte „Vorstadt“ des Menschen, sprich den Rachenraum mit der schützenden Propolis., was besonders bei Schnupfen gut hilft. In Wasser, Saft oder Tee kann Propolis ausflocken und der größte teil der Wertsubstanz bleibt am Trinkglas haften.

 

Honig, das Geschenk der Bienen an den Menschen

Honig stammt aus dem Blütennektar, der von den Bienen gesammelt und in ihrem Körper zu Honig umgeformt wird. Jede Blüte hat ihren eigenen Duft und Zusammensetzung des Nektars, so gibt es auch viele unterschiedliche Honigarten (Akazien, Lindenblüten, etc.)

Zweite Quelle für Honig ist der Honigtau, darunter versteht man den Saft, der aus verschiedenen Laub- und Nadelbäumen austritt, wenn die Pflanzenteile von Sauginsekten wie Blattläusen angestochen werden. Von diesem Saft wird auch ein Teil von den Bienen gesammelt.

 

Was enthält der Bienenhonig:

Primär Zucker, davon hauptsächlich Fruchtzucker (40 %) und 31 % Traubenzucker, 1 % Rohrzucker, 7 % Maltose (Doppelzucker). Diese Zusammensetzung bringt mit sich, dass der Körper zum Abbau des Zuckers kein Vitamin B braucht und so die Vitamin B- Depots nicht angegriffen werden. Durch den hohen Traubenzuckeranteil ist der Honig ein guter Energiespender.

-Fermente im Honig: Invertase, Katalase, Glukose-Oxidase (wichtig für Entgiftung des Körpers)

-Hormone: Acetylcholin – wichtig für Reizleitungssystem von Parasympathicus, befähigt die Herzzellen, mehr Traubenzucker anzunehmen

-Wuchsstoffe: wirken nicht nur auf Pflanzen wachstumsfördernd, gewisse Wirkung auch beim Menschen

-Inhibine: sind Stoffe, die Bakterien am Wachstum hindern

-Säuren: Phosphorsäure, Zitronensäure, Ameisensäure, Apfelsäure, etc. wirken günstig auf die Verdauung

-Aromastoffe: entzündungshemmend

-dazu noch Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente

 

Die Wirkung des Honigs

-Honig ist ein Aufbaumittel, für werdende Mütter, Kinder, Geschwächte, Alternde, aber auch für Sportler (Leistungssteigerung bis zu 50%!)

– Lebermittel: Honig hilft bei Glykogenbildung, bei der Entgiftungsarbeit

-Herzmittel: Traubenzucker führt zu besserer Durchblutung des Herzmuskels, Regelung der Herztätigkeit, vor allem auch bei Rhythmusstörungen („Honig ist Hafer für das Herz!“)

-Niere: durch Säuren und Mineralstoffe harntreibende Wirkung bei Erkrankungen positiver leistungssteigender Effekt

-Verdauungsorgane: Fermente im Honig wirken verdauungsanregend, Honig fördert die Bildung der Darmbakterienflora, wirkt aber desinfizierend auf negative Keime und Pilze. Durch Spuren von Propolis heilender Effekt bei Darmentzündungen

-Atmungsorgane: desinfizierende Wirkung durch ätherische Öle, auch krampflösend und auswurffördernd, sekretionssteigernd bei Verschleimung

– Honig enthält auch Pollen, kann daher bei Allergien desensibilisierend helfen

– speziell Wabenhonig bei Atemwegserkrankungen und Allergien anwenden

-Nerven: die speziellen Zuckerarten und Mineralstoffe wie Magnesium und Phosphor wirken nervenstärkend

-Haut: desinfizierend. Der Spannungszustand der Haut verbessert sich durch Honigmasken.

– Wundbehandlung, die osmotische Wirkung lockt Lymphe herbei, dadurch werden Wunden gesäubert, zusätzlich eine zellbildungsanregende Wirkung, dadurch verbesserte Gewebsbildung

 

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt der Honig als „Medizinpferd“, das vor allem dem Dickdarmmeridian Energie liefert. Dieser ist aus Sicht der TCM mit dem Lungenmeridian „verheiratet“ und dieser bekommt dank Honig durch den Ehemann verstärkte Energie für kalte Wintertage.

Achtung: Säuglingen sollte man keinen Honig geben, da dieser Sporen von Bakterien enthalten kann, die bei Säuglingen zu schweren bakteriellen Infektionen führen kann.

 

Blütenpollen, Wundernahrung aus dem Bienenstock

Der Pollen ist pflanzlichen Ursprungs und zwar die männliche Keimzelle der Pflanzen. Die Bienen sammeln den Pollen von den Blüten der Pflanzen, wobei sie gleichzeitig zur Bestäubung beitragen. Nach zahlreichen Verwandlungen im Bienenstock wird Bienenbrot (Perga) daraus. Der Pollen ist von großer Bedeutung für die Entwicklung des Bienenvolkes, er sichert den Bienen die nötigen Einweißstoffe für den Aufbau, während die Kohlenhydrate des Honigs als Energiequelle dienen.

 

Wirkung:

Der Pollen kann aufgrund seiner großen Menge an essentiellen Aminosäuren, Fermenten, Vitaminen, etc. als ein Nahrungskonzentrat, sozusagen „functional food“, angesehen werden. 15 g Pollen täglich decken den Bedarf an essentiellen Aminosäuren!

Besonders ausgeprägt ist die anabole Wirkung (Aufbauwirkung) des Pollens, aus diesem Grund ist er in den letzten Jahren als Sportlermittel besonders populär geworden. Aber auch sonst in Zeiten großer Belastung, in Zeiten von Umstellung, wie es die Wechseljahre bei der Frau sein können, für alle diese Zeiten ist die biostimulierende Wirkung des Pollens angezeigt. Die anabole Wirkung hilft auch in der Zeit, wo der Aufbau des jugendlichen Organismus besonders gefordert ist, in der Pubertät, vor allem, wenn die Jugendlichen besonders schnell zu wachsen beginnen. Und im Alter ist die Zufuhr der wertvollen Inhaltsstoffe des Pollens auch von großem Nutzen, um die Abbauprozesse zu verlangsamen.

Anwendung: bei gut sortierten Imker bekommt man Pollen in kleinen Gläsern, die gut verschließbar sein müssen (empfindlich gegen Feuchtigkeit). Die Anwendung ist einfach: 3 mal täglich 1 mittlerer Löffel, wenn man einen stärkeren Effekt haben will.

 

Gelee Royal, das Zaubermittel der Bienenkönigin

Der Futtersaft für die Bienenkönigin muss ihr dazu verhelfen, täglich 1500 bis 2000 Eier legen zu können, in der Saison ca. 200.000 und das 5 bis 6 Jahre lang, solange lebt nämlich eine Bienenkönigin. Gelee Royal wird daher auch Weiselfuttersaft genannt. Die Inhaltsstoffe sind ähnlich wie beim Pollen, doch kommen noch spezielle Hormone dazu, die der Bienenkönigin ihre Aufgabe ermöglichen. Das heißt, die bereits beschriebene Wirkung des Blütenpollens wird von dem Gelee Royal noch um einiges übertroffen. Sämtliche Aufbauprozesse werden gefördert, wie in der Muttermilch ist im Gelee Royale alles drinnen, was der Körper zum Aufbau braucht.

Dazu kommt eine stark ausgeprägte anregende Wirkung auf die Hormonbildung. Kombinierte Pollen und Gelee Royal- Präparate werden seit einiger Zeit äußerst erfolgreich bei Wechselbeschwerden eingesetzt – fragen Sie Ihren Apotheker nach den erhältlichen Präparaten. Gelee Royal hilft aber auch bei schmerzhafter Menstruation, Unfruchtbarkeit und Männern bei Potenzschwäche sowie vorbeugend gegen Prostatahypertrophie.

Gelee Royal hat eine ausgeprägte anregende Wirkung auf den Stoffwechsel, die Spannung des Gewebes verbessert sich. Dies in Kombination mit der Hormonwirkung hat sich bei der Behandlung von Osteoporose positiv bestätigt.

Gelee Royal hat eine ausgleichende Wirkung auf das Nervensystem und hat sich bei der Behandlung von Blutdruckproblemen (Hochdruck, aber auch Niederdruck) bestens bewährt, wie bulgarische Untersuchungen berichten. Letztlich hat Gelee Royale eine starke antibiotische Wirkung und ist gleichzeitig immunstärkend.

 

Bienen in Gefahr

Bienen sind nicht nur aus Gesundheitsgründen eine Wohltat für den Menschen. Wir brauchen sie für unsere Umwelt und vor allem auch für unsere Landwirtschaft. Umso tragischer ist es, dass unsere Bienen sehr gefährdet sind. Gründe für das Bienensterben gibt es viele, mit Sicherheit haben zum Bienensterben auch die Neonicotinoide geführt, die in der Landwirtschaft massiv eingesetzt wurden. Es ist zu hoffen, dass das derzeit vorübergehend eingesetzte Verbot dieser „Pflanzenschutzmittel“ für immer erhalten bleibt. Wir müssen also hoffen, dass auch in der Politik ein neues Bewusstsein auftritt, alles zu tun, um unsere Bienen zu retten, damit wir weiterhin genüsslich Honig verzehren und die Heilkraft der Bienen nutzen zu können.